Kenyan Fair Trade Coffee

Fair-Trade-Kaffee: Bohnen mit gutem Gewissen

Carola von

Bewusster Konsum mit dem Blick für die gesamte Produktionskette sowie die Umwelt liegt im Trend – und das ist gut so. Auch der Kaffeemarkt verkauft unter dem Fairtrade-Siegel mittlerweile immer mehr Bohnen, die unter fairen Bedingungen erzeugt, verarbeitet und transportiert werden. Doch was ist Fair-Trade-Kaffee überhaupt? Bedeutet Fair Trade gleichzeitig auch Bio – und wer profitiert am meisten von der Kaufentscheidung mit gutem Gewissen? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Wer steht hinter Fair Trade?

Es gibt einen Unterschied zwischen „Fair Trade“ und „Fairtrade“. Der erste Begriff beschreibt das grundsätzliche Prinzip, den Kaffeeproduzenten einen angemessenen Preis für ihr Produkt zu zahlen, damit diese vom Kaffeeanbau leben können. „Fairtrade“ wiederum ist das inzwischen sehr bekannte Siegel, das die international agierende Organisation Fairtrade Labeling Organisation International (FLO) vergibt. Wer also nach dem Fair-Trade-Prinzip arbeitet, hat nicht unbedingt das Fairtrade-Siegel auf der Bohnenpackung. Wer das Fairtrade-Siegel führt, muss jedoch zwingend eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen.

Warum Fairtrade-Kaffee? Die wichtigsten Grundbedingungen

Faitrade-Siegel
Faitrade-Siegel

Um das Fairtrade-Siegel zu erhalten, müssen Anbieter von Kaffeebohnen ihre gesamte Beschaffungs-und Verarbeitungskette an den Vorgaben der FLO ausrichten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Produzenten: Der Kaffee darf nur aus sogenannten Kooperativen stammen, in denen es den Arbeitern möglich ist, sich demokratisch zu organisieren und damit ihre Grundrechte zu wahren. Auch geregelte Arbeitsbedingungen sowie das Verbot von Kinderarbeit sind essenziell.

Der umweltschonende Anbau der Kaffeebohnen stellt ebenso eine Grundsäule bei Kaffeebohnen mit Fairtrade-Siegel dar wie der angemessene Abnahmepreis, der über dem aktuell gültigen Weltniveau liegt. Jeder Kaffeeanbieter muss außerdem seine Finanzen und die Importstrukturen offenlegen, damit der Verbraucher stets nachprüfen kann, woher genau der Kaffee kommt.

 

Wie erkenne ich Fair-Trade-Kaffee ohne FLO-Siegel?

Obwohl das FLO-Logo das bekannteste Emblem ist, gibt es viele weitere Organisationen, die sich für fairen Kaffee einsetzen. Eine dieser Organisationen ist die europäische Gepa, die ein eigenes vertrauenswürdiges Siegel herausgibt, mit dem sich Unternehmen zertifizieren können.

Der Fair-Trade-Markt wird inzwischen von über 30 verschiedenen Dachorganisationen oder Unternehmen bewirtschaftet. Das kann für den Verbraucher etwas verwirrend sein.

Daher lohnt es sich stets, genau auf die Angaben des Rösters zu achten. Oft setzen gute Hersteller nämlich nicht auf die Zertifizierung, sondern haben eigene faire Strukturen mit ihren Handelspartnern etabliert.

Wo wird Fair-Trade-Kaffee angebaut?

Die Bemühungen um einen gerechteren Handel mit Kaffee zeigen inzwischen auch außerhalb der FLO-Strukturen Wirkung. Damit ist Fair-Trade-Kaffee aus praktisch allen großen Anbaugebieten erhältlich – von Äthiopien bis Bolivien oder Mexiko. Der sogenannte Kaffeegürtel der Welt legt sich um Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Aufmerksamkeit für den Arbeiter besonders vonnöten ist.

Ist fair gehandelter Kaffee stets Bio?

Nicht zwingend. Zwar ist der ökologische Anbau eine Säule im Fair-Trade-Prinzip, doch die Bedingungen für Bio-Kaffee sind in dieser Hinsicht noch strenger. Fair Trade fokussiert sich auf die soziale Komponente, Bio auf die ökologische. Steht jedoch Bio-Fairtrade-Kaffee auf der Packung, müssen beide Komponenten im Höchstmaß erfüllt sein.

Was ist der Unterschied zwischen Fair Trade und Direkthandel?

Eines muss man zu Fair Trade fairerweise sagen: Die Zertifizierung mit einem der begehrten Siegel kostet Geld – den Röster und die Produzenten-Kooperativen. Und nicht jeder Anbieter kann sich diese Zertifizierung leisten. Darum steht bei kleineren Röstereien häufig „Kaffee aus Direkthandel“ oder Ähnliches auf der Packung.

Dies bedeutet, dass der Röster Zwischenhändler in seinem Kaffeeimport ausschaltet und direkt bei den Kooperativen kauft. Das soll dafür sorgen, dass der Produzent ebenfalls mehr Geld pro Bohne erhält, da weder Importorganisationen noch Großhändler bezahlt werden müssen. Außerdem entwickeln sich so oft sehr stabile und lange Partnerschaften, bei denen der Röster genau weiß, woher sein Kaffee kommt. Direkthandel ist also eine informelle Fair-Trade-Arbeitsweise, die allerdings nicht wie bei den großen Organisationen durch Dritte geprüft wird.

Warum ist Fair-Trade-Kaffee teurer?

Der Preis für eine Kaffeebohne setzt sich – wie geschildert – aus vielen Faktoren und vor allem vielen Mitspielern zusammen, die fair bezahlt werden sollen. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Dieser ist aber nicht exorbitant, sondern stellt vielmehr den eigentlichen Wert von Kaffee wieder in den Mittelpunkt, der auf seinem langen Weg vom Kaffeestrauch in das Kaffeesortiment viele Verwandlungen durchmacht, um am Ende höchste Qualität bei Espresso oder Filterkaffee zu liefern.

Wenn Kaffee Bio, Fairtrade oder beides ist, ist dies für Genießer letztendlich eine hervorragende Investition in einen guten Geschmack und gleichzeitig “High Quality“, die nachhaltig wirkt.

Fair-Trade-Kaffee – ein gutes Gewissen schmeckt besser

Eines steht fest: Kaffee-Fans und Kunden sind diejenigen, die zu einer Verbesserung des Kaffeeanbaus weltweit in sozialer und ökologischer Hinsicht beitragen können.

  • Wer Fair-Trade-Kaffee kauft, sorgt dafür, dass die fairen Strukturen erhalten und ausgebaut werden.
  • Er setzt so bei jedem Schluck ein Zeichen dafür, dass Kaffee ein wertvolles Lebensmittel und kein Fast Food ist.
  • Wenn die Entwicklung so weiter geht, sind irgendwann nicht einmal mehr spezielle Siegel notwendig.

Doch für das Umdenken braucht es stets einen, der damit anfängt.

Beitragsbild: ©istockphoto.com ranplett

 

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